Rückfragehinweis
HANDWERK WIEN schließt.
Das Wiener Schneideratelier verband hochwertige Ausbildung mit gelebter Integration und eröffnete Menschen neue Perspektiven.
Der etablierte Ausbildungsbetrieb HANDWERK WIEN beendet seine Tätigkeit mit Ende September 2026. Seit 2017 verband der Betrieb in der pulsierenden Neubaugasse traditionelles Schneiderhandwerk mit einem sozialen Auftrag. Als Social Business war HANDWERK WIEN nicht nur Atelier und Werkstatt, sondern auch Ausbildungsstätte für Jugendliche und auch Erwachsene, die manchmal mit besonderen Ausgangsbedingungen ins Berufsleben starteten. Ziel war es, in der regulären oder mit verlängerter Lehrzeit im Handwerk „Bekleidungsgestalter“ eine qualifizierte Ausbildung und damit neue berufliche Perspektiven zu ermöglichen.
Ausbildung als Chance
Seit der Gründung konnten zwölf Lehrlinge ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Hinter dieser Zahl stehen zwölf unterschiedliche Lebensgeschichten: junge Menschen, die einen Beruf erlernt, Selbstvertrauen gewonnen und über sich hinausgewachsen sind. „Respekt, Verlässlichkeit und die gegenseitige Bestärkung sich auch in schwierigen Situationen nicht entmutigen zu lassen, gehörten ebenso zum Ausbildungsalltag wie handwerkliche Präzision und die Verantwortung für die eigene Arbeit“, so Beatrix Standl, gewerberechtliche Geschäftsführerin von HANDWERK WIEN.
Handwerk mit Qualitätsanspruch
Das Atelier vereinte drei Bereiche: Änderungen, individuelle Maßanfertigungen und Kleinserien für Boutiquen und Designer*innen. Hohe handwerkliche Qualität und eine fundierte Ausbildung prägten dabei die Arbeit. Der Betrieb wurde 2022 und 2025 von der Wirtschaftskammer als „Top-Lehrbetrieb“ im Rahmen des Wiener Qualitätssiegels ausgezeichnet.
Die Entscheidung HANDWERK WIEN nicht weiterzuführen zeigt zugleich die Herausforderung, vor der kleine handwerkliche Ausbildungsbetriebe stehen: Eine qualifizierte Ausbildung braucht Zeit, Betreuung und fachliches Know-how und muss gleichzeitig wirtschaftlich getragen werden können.
„Unter dem Druck steigender Kosten ist dieser Spagat nach beinahe zehn Jahren nicht mehr möglich. Auch wenn unser Betrieb nun schließt, blicken wir mit großem Stolz auf das zurück, was hier möglich wurde. Zwölf junge Menschen haben bei uns nicht nur einfach eine Ausbildung absolviert – sie haben erlebt, was es bedeutet, wenn jemand an sie glaubt, sie begleitet und ihnen etwas zutraut. Diese Wirkung bleibt“, so Alexandra Vietinghoff-Scheel die kaufmännische Geschäftsführerin.
Wichtige Integrationsarbeit: Barrieren im Arbeitsalltag überwinden, Vorurteile abbauen
Mit viel persönlichem Einsatz wurden die Lehrlinge unterstützt. Neben der fachlichen Ausbildung wurde großer Wert darauf gelegt, bei gemeinsamen Aktivitäten und Treffen, wie etwa beim wöchentlichen Frühstücks-Jour-fixe, Raum für Austausch, Begegnung und gemeinsames Lernen zu schaffen. So entstand ein Umfeld, in dem unterschiedliche Lebensrealitäten Platz fanden und die Lehrlinge mit ihren individuellen Erfahrungen und Perspektiven gesehen und ernst genommen wurden.
Ausbildung, Coaching und internationale Erfahrungen
Wie erfolgreich dieser Ansatz war, zeigte sich in einem Beratungsprogramm des AMS - die Impulsberatung für Betriebe (IBB)-, die junge Menschen gezielt auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf unterstützt. Ein besonderes Highlight waren die Auslandspraktika für drei Lehrlinge in Schweden und Deutschland. Fernab des gewohnten Umfelds wagten sie den Schritt ins Ausland, stellten sich neuen Herausforderungen und kamen spürbar gestärkt zurück.
Mit der Schließung verabschiedet sich das Team von HANDWERK WIEN von seinen Kunden, Geschäftspartnern und Wegbegleitern und blickt mit großem Stolz auf die wertvolle Integrationsarbeit, das Miteinander und die Entwicklung der jungen Menschen zurück, die den Betrieb über viele Jahre geprägt haben.
Was bleibt, sind die Fähigkeiten, die weitergegeben wurden – und vor allem die Menschen, die durch ihre Ausbildung bei HANDWERK WIEN einen qualifizierten Berufsabschluss erreicht und ihrem Leben eine neue berufliche Richtung gegeben haben.
Hinter Handwerk Wien steht Beatrix Standl als gewerberechtliche Geschäftsführerin und Alexandra Vietinghoff – Scheel als kaufmännische Geschäftsführerin.
Für die redaktionelle Berichterstattung dürfen Bilder, Logo und Downloads gerne unter Namensnennung (Foto: © Handwerk Wien / Karolina Miernik) gerne verwendet werden.

